PM 02/2026: „Die Welt isst zusammen" im Wasserwerk der Zukunft

Tue, Apr 14, 2026 Pressemitteilung

„Die Welt isst zusammen" im Wasserwerk der Zukunft

Dringend gebraucht: 200 syrische Ärzt:innen in MV

Malchin. Am Freitag, den 24. April, geht es ab 18 Uhr bei einem syrischen Buffet im Malchiner Wasserwerk der Zukunft um die Perspektive von Menschen mit syrischer Herkunft auf ihre Arbeit im Gesundheitssystem. Sabina von Kessel vom Eine-Welt-Landesnetzwerk MV organisiert die Veranstaltung zusammen mit Mohamad Al Shibli, Sozialarbeiter in Malchin, und mit Ali Farzat, dem Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Malchin. Interessierte, aber vor allem auch selbst Betroffene sind herzlich eingeladen.

„Neben über 200 syrischen Arzt:innen arbeiten auch viele Menschen mit syrischer Herkunft in Pflege, Physiotherapie und anderen Gesundheitsfachberufen in Mecklenburg-Vorpommern. Dazu kommen all jene, die bereits die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen“, sagt Sabina von Kessel. „Sie sind unverzichtbar - und oft wenig sichtbar. Genau das wollen wir mit der Veranstaltung ändern.“

Zu Musik und syrischen Köstlichkeiten wie Hummus, Taboulé und Fattoush geht es um Zahlen und Fakten zu syrischen Migrant:innen in Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland. In Kurzvorträgen berichten Menschen aus Syrien, die selber im Gesundheitswesen arbeiten, von ihrem Weg nach Deutschland, von ihren Erfahrungen im Arbeitsalltag und der manchmal fehlenden Anerkennung.

„Anschließend wollen wir in kleinen Gruppen diskutieren“, sagt Sabina von Kessel. „Was haben Migration und Gesundheitsversorgung mit unserem Leben zu tun? Welche Ideen für Begegnung, Unterstützung und gesellschaftlichen Zusammenhalt können wir entwickeln?”

In ganz Deutschland gibt es einen Ärztemangel, auch in MV. Viele Arztsitze, gerade auf dem Land, bleiben frei. Und die große Pensionierungswelle der Boomerjahrgänge kommt erst noch. Menschen, die vielfach während des Bürgerkriegs aus Syrien geflüchtet sind, werden im Gesundheitssystem dringend gebraucht. Aber sie fühlen sich oft nicht erwünscht, erleben Rassismus und Benachteiligung von Patientinnen wie Kolleg:innen.

Beim Staatsbesuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa am 30. März in Berlin erklärte Bundeskanzler Merz auf der gemeinsamen Pressekonferenz, dass „in den nächsten drei Jahren rund 80 Prozent der sich in Deutschland aufhaltenden Syrerinnen und Syrer" in ihre Heimat zurückkehren sollten. Später berief er sich darauf, dies sei eine Aussage von al-Scharaa gewesen.

„Für diejenigen, die hier unser Gesundheitssystem am Laufen halten, ist das ein Schlag vor den Kopf. Suggeriert wird, dass Menschen allein wegen ihrer Herkunft für das Gemeinwohl weniger wert sind, unabhängig von ihrem Beitrag“, sagt Sabina von Kessel. „Aus humanistischen Gründen ist das falsch. Wir können es uns aber auch nicht leisten, diese Menschen zu verlieren. Wir brauchen sie dringend.“ 

"Die Welt isst zusammen“ ist ein Begegnungsformat, das sich in Malchin und Umgebung etabliert hat, um bei einem gemeinsamen Essen zu globalen Themen ins Gespräch zu kommen. 

Das Eine-Welt-Landesnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern ist der Dachverband der entwicklungspolitischen Initiativen mit derzeit 63 Mitgliedern. Ziel des Landesnetzwerkes und seiner Mitglieder ist es, über globale Ungerechtigkeit zu informieren und diese abzubauen. 

V. i. S. d. P.: Jessica Weiß