Veranstaltungsarchiv

 

An dieser Stelle archivieren wir ausgewählte Veranstaltungshinweise und Berichte aus der Vergangenheit.

Das Eine-Welt-Landesnetzwerk und das Diakonische Werk M-V luden zu einem Fachgespräch mit dem Landwirtschafts- und Entwicklungsexperten Dr. Tolbert Jallah aus Liberia (Westafrika). Dr. Jallah reiste im März 2017 auf Einladung von Brot für die Welt durch Deutschland, um mit Politiker*innen hier über die fatalen Bedingungen der Landwirtschaft und der Ernährungssicherheit in Westafrika ins Gespräch zu kommen. Ihm geht es dabei um eine langfristige Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine nachhaltige, einheimische Landwirtschaft als Beitrag zur Armutsreduzierung, zu Frieden und Stabilität sowie sozialer Gerechtigkeit in Westafrika.

Die PDF-Ankündigung können sie hier herunterladen.

Lesen Sie hier das Interview mit Tolbert Jallah, das unsere Pressesprecherin Anke Lübbert geführt hat:

Herr Jallah, Sie sind für zwei Wochen auf Vortragsreise in Deutschland. Was wollen Sie erreichen?

Der EU-Handel trägt dazu bei, die Existenz vieler Menschen in Westafrika zu ruinieren. Handel sollte eigentlich dem Wohl der Menschen dienen, sie aus der Armut erheben. Ich möchte in Deutschland ins Gespräch mit Politikern, Kirchenleuten und Vertretern von NGOs kommen und über diese Themen reden. Wir sollten einander helfen, das ist unsere Aufgabe. Ich möchte, dass den Menschen in den entwickelten Ländern des Nordens klar wird, was sie ihren Brüdern und Schwestern im Süden antun, dass die eine Seite der Welt einen Friedhof gleicht.

Inwiefern schädigt der EU-Außenhandel Westafrika?

Oh, da gibt es viele Beispiele! Das Muster ist immer gleich: Die EU will unsere billigen Rohstoffe und exportiert im Gegenzug weiterverarbeitete Produkte. Dabei ruiniert sie nicht selten unsere Lebensgrundlagen. So hat die Fischereiflotte der EU unsere Gewässer leergefischt. Ein anderes Beispiel: Die EU überschwemmt Westafrika mit billigen Lebensmittelimporten, mit deutschem Käse, holländischen Eiern… die billiger sind und von Menschen in Westafrika grundsätzlich als besser als einheimische Produkte angesehen werden, nur weil sie aus der EU kommen.

Warum ist das so?

Das sind Muster aus der Kolonialisierung, die sehr tief sitzen. Wir müssen es schaffen, das Denken der Menschen in Afrika zu dekolonialisieren, damit sich da etwas ändert. Denn der Konsum von EU-Produkten führt dazu, dass die Märkte für lokale Bauern, für lokale Produkte zusammenbrechen. Menschen hören auf Landwirtschaft zu betreiben, ganze Dörfer gehen zugrunde. Gleichzeitig bauen Farmer für EU-Firmen Massen an Öl an, mit dem europäische Autos fahren sollen. Das kann aber bei uns keiner essen. Wir als FECCIWA wirken dem entgegen, haben eine Kampagne: „Grow what you eat, eat what you grow“, die sehr erfolgreich ist. Sie ermächtigt die Menschen selbst für ihre Nahrung und ihr Wohlergehen zu sorgen anstatt als billige Arbeiter, moderne Sklaven, sozusagen, zu arbeiten.

Die Firmen sehen sich selbst sicherlich in der Rolle derjenigen, die Arbeit schaffen, Menschen in Lohn und Brot bringen…

Das mag sein, entspricht aber nicht ihrer Wirkung. Es führt nur zu immer größerer Armut und Fremdbestimmung und der Zerstörung unserer Ressourcen. Dazu kommt der Klimawandel…

Was hat der mit der EU zu tun?

Indirekt einiges, denn der Klimawandel wurde maßgeblich von den entwickelten Ländern, auch denen der EU, provoziert und entfaltet seine schlimmsten Wirkungen in den Ländern des Südens. Und wenn dann Menschen aus Not, Hunger, Wasserknappheit, fehlenden Zukunftsaussichten nach Europa fliehen wollen, weil sie die Welt als globales Dorf betrachten, dann wird das kriminalisiert, werden sie in Lagern gehalten, dann wendet Frontex, die europäische Grenzagentur auch Gewalt an.

Was wünschen Sie sich von Ihren Gesprächspartnern?

Ich wünsche mir, dass die NGOs und Politiker Druck auf die deutsche und die EU-Regierung ausüben, die von mir genannten Punkte ansprechen und für Lösungen einsetzten. Sich vor allem für eine gerechtere Wirtschaftspolitik, auf Augenhöhe aussprechen. Das wäre sinnvoller als alle Entwicklungshilfe.

Der Agenda-21-Rat der Hansestadt Rostock befasste sich auf einer erweiterten Sitzung am 1. Juni 2016 in Kooperation mit dem Eine-Welt-Landesnetzwerk mit der UN-Agenda 2030 und seiner Bedeutung für Bund, Länder und Kommunen. Als Gastreferent war Jens Martens, Leiter des Europa-Büros des Global Policy Forum in Bonn eingeladen.
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Niemand flieht ohne Grund | لا لجوء بلا سبب
No one flees witout a reason
هیچکس بدون دلیل کشور خود را ترک ومهاجرت را انتخاب نمی کند
Die Ursachen aktueller Migration und was wir damit zu tun haben

Auf der Tagung diskutierten wir verschiedene Ursachen von Migration und Flucht. Wie globale wirtschaftliche, soziale und ökologische Rahmenbedingungen gleichermaßen Auslöser von Flucht als auch Schlüssel zu deren Vermeidung sein können, wurde dabei debattiert.
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Die Möglichkeiten für öffentliche Einkäufer, Sozialstandards stärker im Vergabeverfahren zu berücksichtigen, war Thema in der Dialogveranstaltung mit Expertinnen-Inputs und einer Diskussion zwischen Textilunternehmen, Beschaffungsstellen und Fach-NGOs.
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Weltladentreffen Ost in M-V war erfolgreich

Rund 130 Gäste von Weltläden aus den östlichen Bundesländern, von den Fair-Händlern dwp, GEPA, EL PUENTE, Arte Indio, colombo³, F.A.I.R.E und Fairwein sowie vom INKOTA-netzwerk und dem Weltladen-Dachverband tagten vom 15. bis 17.4.2016 in Alt Schwerin am Plauer See. Das Wochenende stand ganz im Zeichen von Fortbildung, Austausch und Vernetzung. Am Freitagabend wurde von einer Reise zu Fair-Handels-Partnerinnen in Südafrika und Swaziland berichtet. Am Samstag standen acht Workshops auf dem Programm, u.a. zur Transparenz in fair gehandelten Mischprodukten, zur Kampagne Mensch.Macht.Handel.Fair, zu Generationen-Dialogen sowie zu „Fairer“ Kleidung. Angesichts der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit v.a. im Osten wurde auch über die Rolle von Weltläden als entwicklungspolitische Akteure im Spannungsfeld zwischen Geflüchteten und rechten Parolen diskutiert. Zudem stieß der Monitoring-Dialog mit Martina Lenz von colombo³ auf großes Interesse. Sie gab Einblick in die Arbeitsweise und die Herausforderungen eines Fair-Band-Mitglieds. Die Resonanz war durchweg positiv. Neben neuen Erkenntnissen und Anregungen für die Weltladenarbeit wurde auch der Motivationsschub hervorgehoben, der von der Konferenz ausging. Das nächste Weltladentreffen Ost findet vom 21. bis 23. April 2017 in Wernigerode statt.

Zu Unterseite des Weltladentraffens Ost 2016 geht es hier.

Entwicklungspolitische Tage Mecklenburg-Vorpommern 2015

Mit fast 120 Veranstaltungen waren die Entwicklungspolitischen Tage M-V 2015 umfangreicher denn je. Eröffnet wurden sie am 2. November mit einem Vortrag von Prof. Dr. Boniface Mabanza im Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin.

Unter dem Jahresthema IHR EINSATZ BITTE! Engagement und Bürgerinnenrechte fanden bis 22. November in 23 Orten in Mecklenburg-Vorpommern und zusätzlich in Lübeck und Stettin Vorträge, Filmnächte, Forumtheater-Abende, Diskussionen, Workshops und Aktionen statt. Nähere Informationen finden Sie hier. Die Programmübersicht können Sie hier einsehen und das umfangreiche Programmheft steht hier als PDF zum Download bereit.

Pressemeldungen zu den einzelnen Veranstaltungen stehen hier bereit. Ein Klick auf das Banner eröffnet einen kleinen visuellen Überblick über die Vielfalt der EP-Tage 2015:

Workshop “Öffentliche Beschaffung und Menschenrechte”

Das Beschaffungswesen unterliegt derzeit einem tiefgreifenden Wandel. Die neue EU-Vergaberichtlinie 2014/24/EU ist beschlossen und wird derzeit in bundesdeutsches Recht umgesetzt. Dadurch verändern sich auch die Anforderungen mit Blick auf die sozialen Kriterien im öffentlichen Einkauf. Auch die Erarbeitung des Nationalen Aktionsplans zur Ausgestaltung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte ist ein Schritt hin zu mehr staatlicher Verantwortung entlang der globalen Wertschöpfungsketten. Wie soll das Beschaffungswesen im Land, in Kommunen und Unternehmen mit staatlicher Beteiligung beim Einkauf von Textilien oder IT-Hardware auf diese Entwicklungen reagieren? Mit folgenden Expertinnen und Experten haben wir nach möglichen Antworten auf diese Fragen gesucht: Viet Anh Center for Development and Integration (CDI), Hanoi, Vietnam Annelie Evermann Referentin für nachhaltige Produktion und öffentliche Beschaffung, WEED Christian Wimberger Referent für öffentliche Beschaffung, Christliche Initiative Romero (CIR)

Arbeit und Menschenrechte in Vietnam Vortrag und Diskussion mit Viet Anh vom Center for Development and Integration (CDI) in Hanoi am 24. Juni 2015 im Peter-Weiss-Haus Rostock

Die vietnamesische Textilindustrie wuchs von 2005 bis 2011 um 32% (China: 15%). Ihre Arbeiterinnen werden immer jünger: 64% sind unter 30 Jahre alt. Der Mindestlohn deckt gerade einmal gut die Hälfte der Lebenshaltungskosten. Sozialversicherungen existieren nicht. Tägliche Überstunden sind an der Tagesordnung. Die Elektronikindustrie ist die zweitgrößte Branche der vietnamesischen Exportwirtschaft und wird durch große Produzenten wie Canon, Samsung, Pentax, Foxconn u.a. getragen. In ca. 500 Unternehmen sind hier 250.000 Arbeiterinnen tätig. Rund 90% der Beschäftigten sind Frauen, der Anteil inländischer Wanderarbeiterinnen beträgt 70%. Besonders bei Samsung und Apple wird die Lage der Arbeiterinnen in Bezug auf Gesundheitsgefährdungen und Löhne zunehmend kritisch. Was wird vor Ort für die Einhaltung von Arbeitsrechten getan?

Unternehmen, die Länder und Kommunen mit Dienstkleidung und anderen Textilien beliefern, sehen sich heute zunehmend mit Ausschreibungsanforderungen konfrontiert, die die Einhaltung sozialer Standards verlangen. Da die öffentliche Hand per Gesetz angehalten ist, diese Standards zu erfüllen, gibt sie ihre Forderungen an bietende Unternehmen weiter, welche sich zunächst mit den neuen Lieferbedingungen vertraut machen müssen. Hierzu sollte unser Unternehmensdialog mit Vertreterinnen der unterschiedlichen Stakeholder – Beschafferinnen, Unternehmen und NGOs – am 23. Juni 2015 in der Hamburg ElfFaire beitragen.

Wir hörten Beiträge von:
Viet Anh
Center for Development and Integration (CDI), Hanoi, Vietnam
Vera Köppen
Deutschland-Repräsentantin der Fair Wear Foundation (FWF)
Johanna Fincke
Referentin für öffentliche Beschaffung, Christliche Initiative Romero (CIR)
Am 11. Mai 2015 diskutierten wir zusammen mit ca. 100 Teilnehmenden im Schweriner Schloss die Frage, was Entwicklungspolitik im Jahr 2015 eigentlich bedeutet und welche Art Entwicklung wir hier und in anderen Teilen der Welt benötigen. Mehr Infos und Dokumentation

Augenhöhe? Süd-Nord-Partnerschaftsarbeit - Herausforderungen und Probleme

Unter diesem Titel fand im März 2015 im Ferienland Salem ein zweitägiges Seminar in Kooperation mit der Evangelischen Akademie der Nordkirche statt.

Globale Partnerschaften sind ein wichtiges Instrument interkultureller Verständigung und eines demokratischen Miteinanders. Schulen, Vereine und Einzelpersonen waren eingeladen, die sich in Partnerschaftsarbeit in Ländern des Globalen Südens engagieren.

Die Tagung zur Partnerschaftsarbeit ermöglichte es, verschiedene Sichtweisen auf Süd-Nord-Partnerschaften kennenzulernen, sich auszutauschen, kritisch zu hinterfragen und Partnerschaft neu zu denken. Gemeinsam gingen die Teilnehmenden der Frage nach, wie Partnerschaftsarbeit gelingen kann, welche Faktoren gute Partnerschaftsarbeit ermöglichen und welche dies erschweren können. Sie setzten sich mit ihren Bildern von Partnerschaft, der eigenen Rolle als Projektpartner aus dem Norden und den damit verbundenen Privilegien auseinander.

Wie können die Partner auf Augenhöhe miteinander umgehen und dabei die sehr unterschiedlichen Voraussetzungen offen und konstruktiv ansprechen?

Den Veranstaltungsflyer können Sie hier herunterladen.

Rückblick: Parlamentarischer Abend

Zwölf Parlamentarierinnen von SPD, CDU, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen sowie mehrere Landtagsmitarbeiterinnen kamen am 3. März 2015 zum Parlamentarischen Abend ins Schweriner Schloss, zu dem das Eine-Welt-Landesnetzwerk M-V die Abgeordneten der demokratischen Parteien des Landtages Mecklenburg-Vorpommern eingeladen hatte. Außerdem waren als Gäste Andreas Rosen von der Stiftung Nord-Süd-Brücken und Peter Stein, Mitglied der CDU-Bundestagsfraktion und einziger Abgeordenter aus M-V im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, anwesend.

Vorgestellt und besprochen wurden u.a. folgende Themen: Schwerpunkte der Eine-Welt-Promotorinnen in M-V (Kooperation mit Volkshochschulen, Trainerinnenausbildung, Aufbau eines entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes, sozialverträgliche Beschaffung) sowie die Fairtrade-Stadt-Prozesse in M-V und die Erarbeitung entwicklungspolitischer Landesleitlinien. Neben den kurzen Inputs der Eine-Welt-Promotorinnen und den Statements der Gäste und Fraktionen waren vor allem auch die Gespräche beim Essen ein wichtiger Einstieg für die weitere Arbeit, u.a. zur Weiterführung des Eine-Welt-Promotorinnenprogramms, zur sozial gerechten Weiterentwicklung des öffentlichen Beschaffungswesens und zu Entwicklungspolitischen Landesleitlinien.

Ausverkauf.Neubrandenburg

Im Rahmen der Entwicklungspolitischen Tage Mecklenburg-Vorpommern 2014 wurde am 30. Oktober 2014 das Gemeingut der Stadt Neubrandenburg versteigert. Was im Theaterprojekt der Gesellschaft der Liebhaber des Theaters in Kooperation mit Ökohaus Rostock und der BUNDjugend Neubrandenburg witzig überzeichnet wirkt, hat einen ernsten Hintergrund: An vielen Orten ist die Privatisierung öffentlicher Güter gängige Praxis, z.B. um klamme Gemeindekassen zu füllen oder um notwendige Investitionen in der Gemeinde vornehmen zu können. Meist werden Privatisierungen für die Bevölkerung jedoch deutlich teurer als erwartet...

Einen audiovisuellen Eindruck von Ausverkauf.Neubrandenburg bekommen Sie hier.

Ihre Wahl. Für den Fairen Handel!

Vor der Europawahl 2014 am 25. Mai gab es im Rahmen der Fair-Handels-Kampagne "Vote for Fair Trade" die Möglichkeit, für den Fairen Handel aktiv zu werden.

Das Eine-Welt-Landesnetzwerk M-V hat EP-Kandidat_innen für Mecklenburg-Vorpommern angeschrieben. Helmut Scholz (DIE LINKE), Reinhard Hans Bütikofer (Bündnis 90/ Die Grünen) und Iris Hoffmann (SPD) haben das Manifest für den Fairen Handel unterzeichnet. MdEP Helmut Scholz gab uns zudem am 16. Mai 2014 einen Einblick in seine Arbeit u.a. als Vertreter im Handelsausschuss. Schwerpunkte der Diskussion waren die aktuellen Verhandlungen der EU über das Freihandelsabkommen mit der USA (TTIP) und die Stärkung des Fairen Handels auf EU-Ebene u.a. durch Unterstützung eines "Alternativen Handelsmandats". Verabredet wurden die Kooperation bei einer Veranstaltung zu TTIP im Herbst und die Planung einer Studienreise nach Brüssel zum Thema Fairer Handel.

Das Eine-Welt-Landesnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern richtete 2013 und 2014 zwei Konferenzen für sozialverträgliche IT-Beschaffung aus. Bei der zweiten Konferenz, die im Februar 2014 im Schweriner Schloss stattfand, kamen 80 Teilnehmende aus Beschaffungswesen, Zivilgesellschaft und Industrie aus elf Bundesländern sowie aus Tschechien, Schweden und den USA zusammen, um sich über Möglichkeiten auszutauschen, wie die öffentliche Hand einen Beitrag dazu leisten kann, dass sich die Arbeitsbedingungen entlang der globalen Wertschöpfungsketten verbessern.
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Die Asyl-Monologe in Greifswald waren ein vorgezogener Auftakt der Entwicklungspolitischen Tage 2013.
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Herbsttagung Bildung für nachhaltige Entwicklung 2013 Kritisches Bewusstsein oder kreatives Handeln

23./24. September 2013, Haus der Kirche & Uwe-Johnson-Bibliothek, Güstrow

In Güstrow fanden sich am 23./24. September 2013 Bildner_innen, Netzwerke und Stiftungen aus M-V zusammen, um sich durch visionäre Gedanken inspirieren zu lassen, sich auszutauschen und neue Pläne nicht nur für neue Bildungsprojekte zu schmieden.

Dazu kamen die rund 120 Besucher_innen des Vortrags am Montagabend mit Herrn Professor Welzer ins Gespräch, der sein neuestes Buch "Selbst denken - eine Anleitung zum Widerstand" präsentierte und seine Thesen zu einer nachhaltigen Bildung vertrat. Was uns zu "wahren Helden und Held_innen der Nachhaltigkeit" machen könnte, sind nicht so sehr die Charakterfestigkeit oder der "moralische Glaube an die richtige Sache", sondern eher die Fähigkeit, auch in scheinbar alternativlosen Situationen und Szenarien unbeirrt Handlungsmöglichkeiten zu erkennen, Freundschaften zu finden und Netzwerke zu bilden, sowie ein wenig Risikofreude für den ersten Schritt aufzubringen. Der erste Schritt bestünde dann in der Weigerung, sich der Matrix des "Es geht nicht" zu ergeben, sondern selbstbewusst zu widersprechen, zu experimentieren und dann die Geschichten des Gelingens sichtbar zu machen. Die Beschreibung der Welt als "ach so fehlerhafte", sei eine ohnmächtige Perspektive, welche die bestehenden Systeme und Tendenzen nur verstärken würde.

Noch abends beim gemütlichen Ausklang beschäftigten die Thesen die Teilnehmer_innen der Tagung. Unter den alten Bildungs-Hasen und den enthusiastischen Neulingen waren Perspektiven des globalen Lernens und des Umweltbildungsrichtung vertreten.

In der spielerischen und dennoch konzentrierten Atmosphäre des zweiten Tages konnten wir fruchtbare Impulse für eine vorausschauende Bildungsarbeit in M-V entwickeln. Die Frage nach dem "wie" einer visionären Bildung, die Mut zum Selbstdenken, Widersprechen und anders Handeln macht, ist natürlich nicht restlos geklärt, weil sie zum Abschied von der uns so vertrauten, kritisch-akademischen Haltung auffordert. Aber was tun wir stattdessen?

Es kann und soll hier nicht der Ansatz sein, diese Leerstellen sofort mit praktikablen Methoden und Konzepten zu füllen, sondern Veränderung behutsam zuzulassen und die Unsicherheiten der neuen Möglichkeitsräume im Bildungsbereich erst einmal auszuhalten. Im Rahmen des Workshops wurden hierbei die Beschränkungen und Zwänge des Bildungsalltags mit theaterpädagogischen Methoden sichtbar und erlebbar gemacht. Darüber hinaus wurden im Rahmen einer Feedbackrunde drei Bildungsangebote kurz vorgestellt, durch die Akteure auch in Hinsicht auf deren inhaltliche oder methodische Grenzen zur Diskussion gestellt und von der Gruppe mit Blick auch mögliche Potentiale der Weiterentwicklung der Angebote reflektiert.

Die Teilnehmenden wünschten sich für eine nächste Tagung im Jahr 2014, an den Ideen für eine visionäre Bildung weiter zu arbeiten und sich ganz praxisorientiert über gelungene Bildungsangebote in M-V auszutauschen. Dabei kann die Kombination aus Vortragsimpulsen und Seminarzeit beibehalten werden. Wir dürfen also gespannt sein, was uns im nächsten Jahr bewegt haben wird.

Im Rahmen einer Vortragsrundreise referierte die philippinische Gewerkschafterin Salve Valenciano über unfaire Arbeitsbedingungen bei der Produktion von Computern.
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